Stimmts - oder - Stimmts net?

Stimmts - oder - Stimmts net?

Erfolg des Stimmtrainings

StimmtrainingPosted by Anna Lichtenstein Fri, November 06, 2015 09:08:12
Wovon hängt der Erfolg des Stimmtrainings ab? Teil II (III)


Eigenes Üben:

Jeder weiß: Ohne Fleiß kein Preis! Das ist natürlich auch im Stimmtraining so. Für Ihr eigenes Vorankommen macht es einen erheblichen Unterschied, ob Sie nur im Unterricht konzentriert üben oder sich auch zu Hause Zeit für Ihre Stimme nehmen. Viele Elemente im Stimmtraining sind ein reines Muskeltraining und somit eine Fleißarbeit. Den meisten Menschen ist nicht bewusst, dass die Lippen oder die Zunge auch Muskeln sind, die man trainieren kann, wie die Bauchmuskulatur. Dieser Punkt hat einen großen Vorteil, denn anders als Musikalität oder eine schnelle Auffassungsgabe, die einem zum Teil angeboren ist, hat man den eigenen Fleiß konkret in der Hand.

Ziele:

Wichtig für den Erfolg des Stimmtrainungs sind natürlich auch die gesteckten Ziele. Auch die Dauer der Ausbildung hängt davon maßgeblich ab. Wollen Sie „nur“ Ihren Dialekt verbessern oder Ihrer Stimme mehr Wohlklang und Tiefe verleihen oder soll auch die Stimmkraft geschult werden. Ich habe oft Klienten, die mit dem Ziel zu mir kommen, laut vor einem großen Publikum zu sprechen. Oft ist die Stimme aber so versteckt, dass der erste Schritt sein muss, die Stimme auf ein normales Maß der Unterhaltungslautstärke zu bekommen. Erst wenn dieser Standpunkt gefestigt ist, kann auch an der tatsächlichen Stimmkraft gearbeitet werden, welche benötigt wird, um einen großen Raum zu füllen oder sich über einen Geräuschpegel hinwegsetzen zu können.

Meiner Meinung nach ist die Behebung eines Dialektes auch eine überwiegende Fleißarbeit. Wer die gelernten Artikulations- und Geläufigkeitsübungen regelmäßig übt, kann innerhalb kürzester Zeit große Erfolge feststellen. Die Arbeit am Stimmklang erfordert im besonderen Maße eine hohe Sensibilität und ein gutes Gehör. Neben den Resonanz- und Klangübungen, die im Unterricht erlernt werden, erscheint es mir fast die schwierigere Aufgabe, seine eigene Feinfühligkeit für seinen Körper und seinen eigenen Stimmklang zu schulen. Je nach eigener Sensibilität kann dieser Prozess mehrere Wochen aber auch Monate dauern.

Eine gesunde Rufstimme, auch Kraftstimme genannt, ist für mich das „i-Tüpfelchen“ in der Stimmarbeit. Ist eine Stimme gefestigt und gut ausgebildet, ist der Übergang meist fließend in eine gesunde Kraftstimme. Im besten Falle ist die Stimme beim Rufen frei, unangestrengt und mit einer guten ganzkörperlichen Beteiligung. Eine generell selbstbewusste Grundeinstellung und körperliche Fitness sind hierbei förderlich.

Soll zusätzlich auch an Präsentationen, Bühnen- oder Mediensprechen gearbeitet werden, erfordert dies noch einmal einen größeren Mehraufwand im Stimmtraining. Voraussetzung ist jedoch in allen drei Bereichen eine gefestigte Stimme, die bereits in das alltägliche Sprechen integriert ist.

Lehrer – Schülerverhältnis:

Die Arbeit an der Persönlichkeit erscheint mir die größte Herausforderung im Hinblick auf die Stimme. Denn der schwierigste Schritt ist, sich mit dem neuen Klang zu identifizieren. Es erfordert Mut, alte Muster los zu lassen und sich für die „neue Stimme“ zu öffnen. Ich gebe zu, dass manche Stimmübungen auch ein Stück Überwindung kosten. Ein befreiter Klang, hat immer etwas mit „enthemmen“ zu tun - Blockaden, die uns hemmen loszulassen. Schon ein befreites Gähnen oder Seufzen ist in unserer Gesellschaft unschicklich, obwohl es eigentlich ein natürlicher Körperimpuls ist. Wunderbar kann man das an Kindern sehen. Sie gähnen einfach, wenn ihnen danach ist. Ohnehin können Kleinkinder, die gerade das Sprechen lernen, ein Vorbild für uns sein. Sie experimentieren fröhlich mit ihrer Stimme, plappern vor sich hin und wiederholen teilweise so lange Lautverbindungen, bis diese verinnerlicht sind. Dieses Ausprobieren der Stimme soll Teil der Stimmarbeit sein. Dies erfordert natürlich ein hohes Maß an Vertrauen zum Stimmtrainer. Vielleicht kennen Sie das auch aus der Schule: Der Schulerfolg war eng damit verbunden, ob man den Lehrer mochte oder nicht - wo die Chemie gestimmt hat. Suchen Sie sich deshalb einen Trainer, dem Sie vertrauen und vor allem, wo Sie sich trauen können.





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