Stimmts - oder - Stimmts net?

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Semesterstart

Arbeit mit StudentenPosted by Anna Lichtenstein Thu, October 01, 2015 11:15:27

Semesterbeginn WS 2015/16

Am kommenden Montag startet die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg in das neue Wintersemester 2015/16. Der Vorlesungsbeginn ist immer eine sehr spannende und hektische Zeit. Es gibt viel zu organisieren, zu planen und die Studenten treffen auf neue Dozenten.

Auch in der Sprecherziehungsabteilung am Musikinstitut, wo ich als Dozentin tätig bin, werden wir einen neuen Jahrgang begrüßen.

Da meine Studienzeit noch sehr präsent ist, kann ich mich genau an die recht aufregenden Momente erinnern, in denen ich auf einen neuen Dozenten getroffen bin. In der Musikausbildung sind wir in der besonderen Situation, den Unterricht in sehr kleinen Gruppen bzw. sogar im Einzelunterricht stattfinden zu lassen. Dadurch baut sich unweigerlich eine sehr enge Verbindung zwischen dem Studenten und dem Dozenten auf.

Die Sprecherziehung im Musikinstitut sieht vor, dass zwei Semester lang jede Woche im Einzel- bzw. Zweierunterricht an Körperaufbau, Atmung, Artikulation, Präsentation und natürlich vor allem an der Stimme gearbeitet wird. Es ist eine sehr persönliche und sensible Arbeit, da unsere Stimme direkt an unsere Emotionen und unsere Persönlichkeit geknüpft ist.

Ich stelle immer wieder fest, dass diese „intime Art“ des Arbeitsprozesses für die jungen Studenten eine neue Situation ist. Die Sprecherziehung im Musikinstitut ist für das zweite Studienjahr vorgesehen. Das bedeutet, die Studenten sind schon mindestens ein Jahr aus der Schule und haben bereits ein Jahr Gesangs- und Klavierunterricht im Einzelunterricht genossen. Das vorherrschende Schulkonzept des Frontalunterrichts scheint jedoch noch sehr präsent zu sein. Die hohe Aufmerksamkeit und Selbstverantwortung, die der Sprecherziehungsunterricht fordert, ist oft sehr ungewohnt und befremdlich für die jungen Menschen. Meine Erfahrung ist, dass die Studenten es einfach nicht gewohnt sind, 45 Minuten auf dem „Präsentierteller“ zu sein.

Dabei sehe ich mich weniger als Lehrer, sondern eher als Arbeitspartner. Es ist mir wichtig, dass wir in unserem Unterricht einen geschützten Raum aufbauen, wo sich ausprobiert werden darf. Leider schaffen es nur die Wenigsten in diesem begrenzten Zeitrahmen vom erlernten „Ich muss alles Richtig machen.“ zum „Ich probiere jetzt mal aus, was ich mit meiner Stimme alles so machen kann UND schaue, was es mit mir macht.“ zu kommen.

Auch die hohe körperliche Aktivität des Stimmbildungsunterrichts ist für Viele neu. Das vorherrschende Unterrichtsmodell in der Universität findet nun einmal leider im Sitzen statt. Oft sind meine Studenten körperlich müde und ausgelaugt, wenn sie zu mir kommen, obwohl sie den ganzen Tag „nur“ gesessen haben. Ich stelle immer wieder fest, dass es eine Zeit dauert, bis sich nicht mehr automatisch hin gesetzt wird, wenn man meinen Raum betritt.

Für mich als Dozentin ist die Arbeit am Musikinstitut sehr bereichernd und erfüllend, da es immer wieder unglaublich spannend ist zu sehen, wie sich die Studenten in einem Jahr nicht nur stimmlich entwickeln, sondern auch nach und nach in ihrer Persönlichkeit wachsen und diese auch zeigen können.

Auf ein neues Semester!



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