Stimmts - oder - Stimmts net?

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Erfolg des Stimmtrainings

StimmtrainingPosted by Anna Lichtenstein Fri, November 06, 2015 09:08:12
Wovon hängt der Erfolg des Stimmtrainings ab? Teil II (III)


Eigenes Üben:

Jeder weiß: Ohne Fleiß kein Preis! Das ist natürlich auch im Stimmtraining so. Für Ihr eigenes Vorankommen macht es einen erheblichen Unterschied, ob Sie nur im Unterricht konzentriert üben oder sich auch zu Hause Zeit für Ihre Stimme nehmen. Viele Elemente im Stimmtraining sind ein reines Muskeltraining und somit eine Fleißarbeit. Den meisten Menschen ist nicht bewusst, dass die Lippen oder die Zunge auch Muskeln sind, die man trainieren kann, wie die Bauchmuskulatur. Dieser Punkt hat einen großen Vorteil, denn anders als Musikalität oder eine schnelle Auffassungsgabe, die einem zum Teil angeboren ist, hat man den eigenen Fleiß konkret in der Hand.

Ziele:

Wichtig für den Erfolg des Stimmtrainungs sind natürlich auch die gesteckten Ziele. Auch die Dauer der Ausbildung hängt davon maßgeblich ab. Wollen Sie „nur“ Ihren Dialekt verbessern oder Ihrer Stimme mehr Wohlklang und Tiefe verleihen oder soll auch die Stimmkraft geschult werden. Ich habe oft Klienten, die mit dem Ziel zu mir kommen, laut vor einem großen Publikum zu sprechen. Oft ist die Stimme aber so versteckt, dass der erste Schritt sein muss, die Stimme auf ein normales Maß der Unterhaltungslautstärke zu bekommen. Erst wenn dieser Standpunkt gefestigt ist, kann auch an der tatsächlichen Stimmkraft gearbeitet werden, welche benötigt wird, um einen großen Raum zu füllen oder sich über einen Geräuschpegel hinwegsetzen zu können.

Meiner Meinung nach ist die Behebung eines Dialektes auch eine überwiegende Fleißarbeit. Wer die gelernten Artikulations- und Geläufigkeitsübungen regelmäßig übt, kann innerhalb kürzester Zeit große Erfolge feststellen. Die Arbeit am Stimmklang erfordert im besonderen Maße eine hohe Sensibilität und ein gutes Gehör. Neben den Resonanz- und Klangübungen, die im Unterricht erlernt werden, erscheint es mir fast die schwierigere Aufgabe, seine eigene Feinfühligkeit für seinen Körper und seinen eigenen Stimmklang zu schulen. Je nach eigener Sensibilität kann dieser Prozess mehrere Wochen aber auch Monate dauern.

Eine gesunde Rufstimme, auch Kraftstimme genannt, ist für mich das „i-Tüpfelchen“ in der Stimmarbeit. Ist eine Stimme gefestigt und gut ausgebildet, ist der Übergang meist fließend in eine gesunde Kraftstimme. Im besten Falle ist die Stimme beim Rufen frei, unangestrengt und mit einer guten ganzkörperlichen Beteiligung. Eine generell selbstbewusste Grundeinstellung und körperliche Fitness sind hierbei förderlich.

Soll zusätzlich auch an Präsentationen, Bühnen- oder Mediensprechen gearbeitet werden, erfordert dies noch einmal einen größeren Mehraufwand im Stimmtraining. Voraussetzung ist jedoch in allen drei Bereichen eine gefestigte Stimme, die bereits in das alltägliche Sprechen integriert ist.

Lehrer – Schülerverhältnis:

Die Arbeit an der Persönlichkeit erscheint mir die größte Herausforderung im Hinblick auf die Stimme. Denn der schwierigste Schritt ist, sich mit dem neuen Klang zu identifizieren. Es erfordert Mut, alte Muster los zu lassen und sich für die „neue Stimme“ zu öffnen. Ich gebe zu, dass manche Stimmübungen auch ein Stück Überwindung kosten. Ein befreiter Klang, hat immer etwas mit „enthemmen“ zu tun - Blockaden, die uns hemmen loszulassen. Schon ein befreites Gähnen oder Seufzen ist in unserer Gesellschaft unschicklich, obwohl es eigentlich ein natürlicher Körperimpuls ist. Wunderbar kann man das an Kindern sehen. Sie gähnen einfach, wenn ihnen danach ist. Ohnehin können Kleinkinder, die gerade das Sprechen lernen, ein Vorbild für uns sein. Sie experimentieren fröhlich mit ihrer Stimme, plappern vor sich hin und wiederholen teilweise so lange Lautverbindungen, bis diese verinnerlicht sind. Dieses Ausprobieren der Stimme soll Teil der Stimmarbeit sein. Dies erfordert natürlich ein hohes Maß an Vertrauen zum Stimmtrainer. Vielleicht kennen Sie das auch aus der Schule: Der Schulerfolg war eng damit verbunden, ob man den Lehrer mochte oder nicht - wo die Chemie gestimmt hat. Suchen Sie sich deshalb einen Trainer, dem Sie vertrauen und vor allem, wo Sie sich trauen können.





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Erfolg des Stimmtrainings

StimmtrainingPosted by Anna Lichtenstein Sat, October 31, 2015 11:05:46

Wovon hängt der Erfolg des Stimmtrainings ab? Teil I (III)

Albert Einstein hat einmal gesagt: „Holzhacken ist deshalb so beliebt, weil man bei dieser Tätigkeit den Erfolg sofort sieht.“.

Im Stimmtraining ist es leider, wie im Sportbereich. Nach den ersten Besuchen im Fitnessstudio werden Sie sicher gehörig Muskelkater mit nach Hause nehmen, aber noch keine augenscheinlichen Ergebnisse sehen. Nur mit kontinuierlichen Wiederholungen und viel Disziplin werden Sie auch das entsprechende Ergebnis auf der Waage sehen. So ähnlich verhält es sich mit der Stimme. Sicherlich wird man sehr schnell - oft sogar in der ersten Unterrichtsstunde - spüren, dass aus der eigenen Stimme mehr herauszuholen ist, als man bisher vermutet hat. Dieses Ergebnis jedoch in das alltägliche Sprechen zu übertragen, ist ein längerer Prozess. Ich vergleiche das gern mit Autofahren lernen. Vielleicht erinnern Sie sich noch an Ihre erste Praxisstunde im Auto. Augen, Ohren, Hände und Füße müssen gleichzeitig auf verschiedene Faktoren achten und zunächst sind wir davon komplett überfordert. Aber nach und nach bekommen wir eine Routine in den Abläufen und heute ist es das Normalste auf der Welt sich in sein Auto zu setzen und einfach loszufahren.

Um an den Punkt zu kommen, die Stimme „einfach loszufahren“ braucht es viel Übung. Nicht umsonst absolvieren Schauspieler und professionelle Sprecher eine mehrjährige Stimmausbildung. Nun will nicht jeder professioneller Sprecher werden. Aber auch für kleinere Veränderungen bedarf es Übung.

Nach meiner Erfahrung hängt der Erfolg im Stimmtraining von folgenden Faktoren ab.

Musikalische Kenntnisse:

Eine wichtige Rolle für den Stimmunterricht spielen Ihre Ausgangsvoraussetzungen mit welchen Sie in den Unterricht kommen. Günstig sind zum Beispiel musikalische Kenntnisse. Menschen, die bereits ein Instrument spielen oder gespielt haben, sind meistens sehr sensibel für Klangvorstellungen und haben ein aufmerksames Gehör. Ideal wäre natürlich, wenn Sie in einem Chor singen oder gar Gesangsunterricht nehmen. Denn Singen und Sprechen ähneln sich sehr in ihren Grundpfeilern. So ist es einem Chorsänger nicht neu auf Bauchatmung und eine gesunde Körperaufrichtung zu achten.

Allgemeine Körperkonstitution:

Auch Sport unterstützt die Arbeit an der Stimme. Die Stimmarbeit ist im Wesentlichen auch eine Körperarbeit. Je wohler Sie sich in Ihrem Körper fühlen und je gezielter Sie einzelne Körperpartien anspannen bzw. entspannen können, desto effektiver greifen auch die Stimmübungen. Im Umkehrschluss heißt das natürlich, je verspannter wir sind und je blockierter einzelne Muskelgruppen sind, desto schwieriger ist es, ihren Resonanzkörper, der tatsächlich ihren ganzen Körper ausmacht, in vollem Maße einzusetzen. Hierbei spielen vor allem die unmittelbaren Muskelgruppen im Hals-, Nacken- und Schulterbereich eine Rolle, aber auch ein angespannter Bauch, eine unflexible Hüfte, ja sogar eine Fußfehlstellung beeinflussen unser komplettes Muskelsystem und somit auch unsere Stimme.

Sensibilität für den eigenen Körper:

Der erste Schritt für eine Veränderung ist die Wahrnehmung des „Problems“. Nur was wir wahrnehmen, können wir auch verändern. Deswegen ist eines der Hauptaufgaben des Stimmtrainings diese Sensibilisierung für den Körper und die Stimme zu schärfen. Ein gutes Gehör und eine schnelle Auffassung sind für die Verbesserung der Stimme sehr förderlich.



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Stimme und Wirkung

Infos zur StimmePosted by Anna Lichtenstein Thu, October 22, 2015 08:50:38
Stimme und Wirkung

Hatten Sie auch schon einmal so ein Erlebnis: Sie saßen in einem Café und plötzlich kam eine unglaublich gutaussehende Frau in den Raum. Sie dachten nur – wow, tolle Ausstrahlung. Sie hat eine super Figur, tolle Haare und ein wunderschönes Gesicht. Eine Frau, von der man einfach nicht die Augen lassen kann. Allein an ihrem selbstbewussten Auftreten dachten Sie, dass diese Frau intelligent und erfolgreich sein muss.. Doch als Sie sie ansprechen - just in dem Augenblick wo sie den Mund aufmachte- war der ganze Zauber schlagartig verflogen. Sie krächzte Ihnen ein unschönes „Hi“ entgegen - in einer einzigen Sekunde ist das harmonische Gesamtbild zerplatzt. Plötzlich wirkte die schöne Optik nur noch halb so einnehmend und beim Klang ihrer Stimme wollten Sie am liebsten das Gespräch so schnell wie möglich beenden.

So, oder so ähnlich ist es uns allen vielleicht schon einmal ergangen. Andersherum trifft das natürlich auch auf die Männer zu. Vielleicht sind Sie auch schon dem ein oder anderen Mann begegnet, der Sie mit seinem Stimmklang in die Flucht getrieben hat. Nicht umsonst zählt die Stimme zu den sekundären Geschlechtsmerkmalen. Den meisten Menschen ist es nicht bewusst, aber die Stimme spielt eine nicht zu unterschätzende Rolle in der Partnerwahl.

Aber nicht nur im privaten Bereich ist der Stimmklang ein Entscheidungskriterium für die Attraktivität und Sympathie des Gegenübers, vor allem im Beruf sollte Ihre Stimme Ihre gewünschte Außenwirkung unterstreichen. Gerade im Verkaufs- bzw. Managementbereich trägt eine gute Stimmpräsenz maßgeblich zu einem seriösen Auftreten und Durchsetzungsvermögen bei. Wenn sie jetzt denken, dass Sie das nicht betrifft, weil Sie nicht in diesen Bereichen arbeiten, dann lassen Sie es mich mit den Worten von Mike Dierssen -einem der erfolgreichsten Verkaufstrainer in Deutschland- sagen: „Zuerst verkauft man immer sich selbst“!

Stellen Sie sich beispielsweise einen Chef mit piepsiger Stimme vor. Wie ernst würden Sie ihn nehmen, wenn er bei steigendem Geräuschpegel immer höher und schriller spricht? Oder denken Sie an einen Verkäufer, der viel zu schnell redet und nuschelt, sodass man kaum den Inhalt verstehen kann. Immer wieder trifft man auch auf Frauen mit einer verhauchten und kindlichen Stimme, welche irritiert davon sind, dass sie nicht ernst genommen werden oder in ihrer beruflichen Karriere nicht weiter aufsteigen. Ihr Fachwissen kann noch so detailliert und umfangreich sein und ihre Führungskompetenzen unübertroffen. Entspricht ihre Stimme nicht ihrer gewünschten Wirkung, werden Sie es schwer haben, zu überzeugen und „sich zu verkaufen“. Eins der berühmtesten Beispiele dafür ist wohl die ehemalige britische Premierministerin Margaret Thatcher. Zu Beginn ihrer Karriere fiel sie vor allem durch einen schrillen und überhöhten Stimmklang auf. Sie erkannte jedoch bald, dass die Stimme ein wesentlicher Faktor für Autorität und Durchsetzungskraft ist und absolvierte ein zweijähriges Stimmtraining. Ihre Stimme senkte sich um mehrere Halbtöne und entwickelte ein warmes und angenehmes Timbre. Die „berühmte Thatcher Stimme“, wie sie heute auch genannt wird, unterstrich ihre Führungsrolle. Margaret Thatcher hatte die kluge Voraussicht, ihre Stimme professionell ausbilden zu lassen. Es ist vermutlich nicht vermessen zu sagen, dass sie sich in der männerdominierten Politik vor allem durch ihre stimmliche Ausdruckskraft erfolgreich durchgesetzt hat.

Am Beispiel von Margaret Thatcher zeigt sich, dass wir alle mit einem wunderbar funktionierenden Stimmorgan geboren wurden und mit ein wenig Übung seine natürliche Funktion wiederentdecken können. Ein guter Klang ist demnach nicht Glückssache, sondern genauso eine Strategie, die man sich aneignen kann, wie ein Fahrplan für ein Verkaufsgespräch oder eine Präsentation.





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Stimme und Bauch

StimmtrainingPosted by Anna Lichtenstein Tue, October 13, 2015 10:46:03
Stimme und Bauch – Wie gehört das zusammen?


In meiner Unterrichtspraxis stelle ich immer wieder fest, dass viele Menschen ungern ihren Bauch beobachten lassen oder gar beim Einatmen „raus strecken“ wollen. Aber woher kommt das? Warum ist unser Bauch so eine empfindliche Region an unserem Körper und warum ist er überhaupt relevant für die Stimme?

Evolutionsbiologisch haben wir uns sehr lange auf vier Beinen bewegt, bevor wir uns zum aufrechten Gang erhoben haben. Unser Bauch, mit all seinen lebenswichtigen Organen, war von unserem Rücken in einer vierbeinigen Position gut geschützt vor Angriffen. Auch Tiere geben diesen Schutz nicht gern auf. Sie kennen das vielleicht von Ihrer Katze - sie lässt sich nicht von jedem den Bauch streicheln. Dazu muss das Tier erst genug Vertrauen aufgebaut haben. Mit dem aufrechten Gang ging dieser Schutz für den Menschen verloren. Das Bedürfnis unseren Bauch zu verstecken ist geblieben. Beobachten Sie einmal einen Menschen, der sich erschreckt. Er krümmt sich leicht nach vorn, zieht die Schultern hoch und presst die Arme an den Körper. Keiner würde in diesem Moment seinen verletzbaren Bauch präsentieren.

Auch der altbekannte Spruch: „Bauch rein, Brust raus!“ hält sich leider immer noch vehement. In dieser Position soll man angeblich besonders standhaft und präsent sein. Stellen sie sich vor, sie würden so in einen Ringkampf steigen. Jedes Kind würde Sie k.o. schlagen, denn es fehlt Ihnen in dieser Position die nötige Stabilität und Flexibilität, auf Ihr Gegenüber zu reagieren.

So ähnlich verhält es sich beim Sprechen. Die meisten Klienten, die zu mir kommen, wissen meistens schon, dass eine Hochatmung nicht von Vorteil für die Stimmgebung ist. Sie sind aber überrascht, wenn ich Ihnen sage, dass diese falsche Atmung von ihrer angespannten Bauchdecke herrührt. Ist diese Muskulatur nämlich angespannt, sind auch unsere Bauchorgane eingeengt und die Atmung kann nicht tief genug greifen. Unsere Stimme kann sich also nicht voll entfalten, weil wir ihr ihren vollen Klangraum vorenthalten. Eine zu flache Atmung bzw. eine zu starke Brust- oder Schulteratmung sorgt dafür, dass unser Kehlkopf nach oben rutscht. Dadurch klingt die Stimme eng, gepresst und klein - dabei ist sie es gar nicht. Unsere Stimme ist wie eine kleine Stimmgabel. Allein klingt sie so leise, dass sie fast nicht zu hören ist. Aber stellt man sie auf Holz, auf einen Resonanzkörper, hört man plötzlich einen Ton. UNSER Resonator ist unser Körper und zwar nicht nur der Mundraum, der Kopf oder vielleicht noch die Brust. Nein! Unser ganzer Körper arbeitet bei der Stimmgebung mit. Und gerade die Körpermitte, die für unsere Balance und Stabilität zuständig ist, stellt einen entscheidenden Dreh- und Angelpunkt beim Sprechen dar. Deswegen plädiere ich immer auch für eine Kräftigung der Bauch- und Rückenmuskulatur parallel zum Stimmtraining.

Ein weiterer Effekt einer gesunden Bauchatmung ist die Entspannung der Schulter- und Nackenmuskulatur. Menschen, die viel am Schreibtisch sitzen, atmen oft zu flach in die Brust und verharren oft Stunden in einer sehr angespannten Position, mit einem festen Bauch. Bewusst in den Bauch zu atmen und die Bauchdecke loszulassen wird Verspannungen in ihrem Rücken lösen bzw. im besten Falle vorbeugen. Die gute Nachricht ist also: Ein stimmförderliches Körperbewusstsein und das Loslassen der Bauchmuskulatur kann man durch Übung und Selbstbeobachtung durchaus lernen.

Leider ist das „mit dem Loslassen“ nicht so einfach. Gerade Frauen fühlen sich beim Thema Bauch unter Druck gesetzt. Das gängige Schönheitsideal setzt auf einen flachen, eingezogenen Bauch. Seinen Bauch zu entspannen und somit zu zeigen, erfordert ein bisschen Mut. Aber wenn wir erkennen, wie viel mehr wir aus unserer Stimme und damit unserer Wirkung machen können, lohnt es sich, „loszulassen“ und ein bisschen mehr „Bauch zu zeigen“.







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Mit der Stimme führen

StimmtrainingPosted by Anna Lichtenstein Tue, October 06, 2015 15:47:44
Wissen Sie, wie man Hunde dressiert?

Eine wesentliche Rolle spielt dabei die Stimme. Hunde verstehen nicht den Inhalt unserer Worte. Sie reagieren allein auf den Tonfall und lernen diesen mit einem bestimmten Verhalten zu verknüpfen.

Nun denken Sie sicher: „Was soll das mit mir zu tun haben? Ich bin ein Mensch und mein Gegenüber versteht ganz klar den Inhalt meiner Worte.“

Aber ist das wirklich so?

Forscher der Kommunikationswissenschaft haben schon in den 70er Jahren festgestellt, dass die Wirkung einer Botschaft zu 55 % durch die nonverbale Körpersprache, 38 % durch Mimik, sowie Stimmlage und Augenkontakt und nur zu 7 % durch das gesprochene Wort interpretiert wird. Man muss dazu sagen, dass in Fachkreisen mittlerweile Uneinigkeit besteht, inwieweit diese Zahlen tatsächlich zutreffen. Fakt ist jedoch, dass der reine Inhalt des gesprochenen Wortes nicht der Hauptträger der Informationsvermittlung ist.

Die zwischenmenschliche Kommunikation ist also gar nicht so weit entfernt von der Kommunikation mit dem liebsten Haustier des Deutschen.

Ein anderes Beispiel zeigt sich in der Kindererziehung. Jedes Kleinkind hört sofort am Klang der Stimme seiner Mutter, dass es jetzt besser folgen sollte, denn sonst könnte Ärger drohen. Wer eine Leitungsposition inne hat, wird mir Recht geben, dass Mitarbeiterführung zuweilen auch an Kindererziehung erinnert. Klare Ansagen zu machen, ohne sein Gegenüber zu harsch anzufahren und dennoch genau zu signalisieren, dass dieser Ansage Folge zu leisten ist, kann nicht immer einfach sein. Hier trifft der alt bekannte Satz zu: „Der Ton macht die Musik“. Eine gute Ausdrucksweise kann uns Türen und Tore öffnen. Genauso wie ein unbedacht ausgesprochenes Wort diese verschließen kann. Ein guter „Führungston“ sollte auf den Punkt gebracht, respektvoll und seriös sein und fachliche Kompetenz vermitteln. Ihn zu finden erfordert manchmal viel Übung. Aber genauso, wie ein junger Hundebesitzer lernen kann, seinen Hund zu führen, können Sie auch lernen, den guten Ton zu treffen.

Überlegen Sie sich, ob Sie mit Ihrer Stimme führen, indem sie motivieren und positiv anleiten oder ob sie mit Ihrer Stimme eher missverstanden, nicht ernst genommen werden oder gar Menschen abschrecken, verletzten und klein machen.







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Semesterstart

Arbeit mit StudentenPosted by Anna Lichtenstein Thu, October 01, 2015 11:15:27

Semesterbeginn WS 2015/16

Am kommenden Montag startet die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg in das neue Wintersemester 2015/16. Der Vorlesungsbeginn ist immer eine sehr spannende und hektische Zeit. Es gibt viel zu organisieren, zu planen und die Studenten treffen auf neue Dozenten.

Auch in der Sprecherziehungsabteilung am Musikinstitut, wo ich als Dozentin tätig bin, werden wir einen neuen Jahrgang begrüßen.

Da meine Studienzeit noch sehr präsent ist, kann ich mich genau an die recht aufregenden Momente erinnern, in denen ich auf einen neuen Dozenten getroffen bin. In der Musikausbildung sind wir in der besonderen Situation, den Unterricht in sehr kleinen Gruppen bzw. sogar im Einzelunterricht stattfinden zu lassen. Dadurch baut sich unweigerlich eine sehr enge Verbindung zwischen dem Studenten und dem Dozenten auf.

Die Sprecherziehung im Musikinstitut sieht vor, dass zwei Semester lang jede Woche im Einzel- bzw. Zweierunterricht an Körperaufbau, Atmung, Artikulation, Präsentation und natürlich vor allem an der Stimme gearbeitet wird. Es ist eine sehr persönliche und sensible Arbeit, da unsere Stimme direkt an unsere Emotionen und unsere Persönlichkeit geknüpft ist.

Ich stelle immer wieder fest, dass diese „intime Art“ des Arbeitsprozesses für die jungen Studenten eine neue Situation ist. Die Sprecherziehung im Musikinstitut ist für das zweite Studienjahr vorgesehen. Das bedeutet, die Studenten sind schon mindestens ein Jahr aus der Schule und haben bereits ein Jahr Gesangs- und Klavierunterricht im Einzelunterricht genossen. Das vorherrschende Schulkonzept des Frontalunterrichts scheint jedoch noch sehr präsent zu sein. Die hohe Aufmerksamkeit und Selbstverantwortung, die der Sprecherziehungsunterricht fordert, ist oft sehr ungewohnt und befremdlich für die jungen Menschen. Meine Erfahrung ist, dass die Studenten es einfach nicht gewohnt sind, 45 Minuten auf dem „Präsentierteller“ zu sein.

Dabei sehe ich mich weniger als Lehrer, sondern eher als Arbeitspartner. Es ist mir wichtig, dass wir in unserem Unterricht einen geschützten Raum aufbauen, wo sich ausprobiert werden darf. Leider schaffen es nur die Wenigsten in diesem begrenzten Zeitrahmen vom erlernten „Ich muss alles Richtig machen.“ zum „Ich probiere jetzt mal aus, was ich mit meiner Stimme alles so machen kann UND schaue, was es mit mir macht.“ zu kommen.

Auch die hohe körperliche Aktivität des Stimmbildungsunterrichts ist für Viele neu. Das vorherrschende Unterrichtsmodell in der Universität findet nun einmal leider im Sitzen statt. Oft sind meine Studenten körperlich müde und ausgelaugt, wenn sie zu mir kommen, obwohl sie den ganzen Tag „nur“ gesessen haben. Ich stelle immer wieder fest, dass es eine Zeit dauert, bis sich nicht mehr automatisch hin gesetzt wird, wenn man meinen Raum betritt.

Für mich als Dozentin ist die Arbeit am Musikinstitut sehr bereichernd und erfüllend, da es immer wieder unglaublich spannend ist zu sehen, wie sich die Studenten in einem Jahr nicht nur stimmlich entwickeln, sondern auch nach und nach in ihrer Persönlichkeit wachsen und diese auch zeigen können.

Auf ein neues Semester!



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Stimmts - oder - stimmts net?

StimmtrainingPosted by Anna Lichtenstein Mon, September 28, 2015 12:34:37

Stimmts - oder - Stimmts net?

Wenn uns jemand fragt: „Stimmt‘s?“, dann impliziert die Frage in den meisten Fällen: „Hab ich Recht? Stimmt das, was ich gesagt habe?“. Sie fordert quasi eine Bestätigung der Meinung unseres Gegenübers.

Was wäre aber, wenn wir uns stattdessen einmal fragen: “Stimmt das, was du gesagt hast, für mich?“. Und überhaupt - „Stimme ich?“. Bin ich noch mit mir im Einklang? Wie oft stellen wir uns diese Frage eigentlich und nehmen uns auch Zeit ihr auf den Grund zu gehen? Was bedeutet das eigentlich – „stimmig sein“? Stimmig sein mit den Menschen, die mich umgeben, mit meiner Arbeit, meinem Körper, meiner Psyche und vor allem meiner inneren Stimme? Es ist nicht immer einfach, all diese Dinge im Gleichgewicht zu halten. Oft wackelt unser „gut strukturiertes“ System gehörig. Aber wir ignorieren die Bauchschmerzen und fahren weiter in unserer Spur. Oder wir ergeben uns der Situation und denken uns – „Da kann ich eben jetzt nichts daran ändern.“ Um es salopp zu sagen - wir funktionieren eben.

Trotzdem merken wir, dass etwas in unserem Leben nicht „stimmig“ ist. Wir sind schlecht gelaunt, ja schlicht nicht gut gestimmt.

Unsere menschliche Stimme vermittelt nicht nur sachliche Informationen, sondern auch unsere aktuelle Stimmung. Aber nicht nur das, sie ist vor allem ein Ausdruck unserer Persönlichkeit. Nicht umsonst leitet sich eben dieses Wort von dem lateinischen Wort persona ab, was so viel bedeutet wie „durchtönen“. Dieses Durchtönen bezieht sich auf die antike Schauspielpraxis, in welcher die Schauspieler Masken trugen, durch welche sie „hindurch sprachen“, um ihre Stimmen zu verstärken.

Die Stimme ist meist ein erster Indikator für die Unstimmigkeiten in unserem Leben. Wir alle kennen das Phänomen in Stresssituationen, wenn wir beispielsweise eine Rede halten müssen und es uns buchstäblich „die Sprache verschlägt“, oder den Moment, wo wir so perplex sind, dass wir „kein Wort heraus bekommen“. Aber auch Gefühle wie Trauer und Freunde, können allein an der Stimme abgelesen werden. Sie alle sind sicherlich schon einmal von einem lieben Freund angerufen worden und haben sofort am Klang seiner Stimme erkannt, dass etwas Schlimmes passiert sein muss.

Das sind natürlich nur kleine Beispiele. Generell lässt sich jedoch sagen, dass alle Erfahrungen, die wir im Laufe unseres Lebens gemacht haben, unsere Persönlichkeit – und damit unsere Stimme –geprägt haben.

Viele Menschen denken, dass sie an ihrer Stimme nichts verändern können und resignieren. Dies muss aber nicht so sein. Die Stimme ist ein Muskel, welchen man trainieren kann, wie Liegestütze. Sicherlich sind die Stimmlippen etwas komplexer als Oberarme. Die Stimmfunktion lässt sich nicht mit einer „Universalübung“ an einem Tag neu aufbauen. Aber auch jeder gute Fitnesstrainer wird Ihnen die Illusion nehmen, dass man in einer Woche 10 Kilo abnehmen kann und die neue Figur ein ganzes Leben halten wird. Dies erfordert ein kontinuierliches Training. Seine Stimme auszubauen, kennen und lieben zu lernen, lohnt sich. Denn es ist nicht nur so, dass unsere Emotionen die Stimme beeinflussen, sondern es funktioniert auch andersherum. Eine richtig „gestimmte“ Stimme kann den Körper zur Ruhe bringen und zu mehr Präsenz verhelfen. Damit wird mehr Raum geschaffen, dem Geist, den Inhalt, den wir äußern wollen, bestmöglich zur Sprache zu bringen.

Fragen Sie sich doch öfter mal „stimmts? - oder – stimmts net?“ bei mir und was kann ich dagegen unternehmen?





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